gedacht

Kühles Licht streift Felsen wieder,
kündet von der Sonne Lauf.
Schimmert leis’ von Wipfeln nieder
auf das klaffend tiefe Tal,
kriecht die schroffen Kanten rauf,
als ging’s den Weg das erste mal.
Und über Klüften – kalt und kahl -
hockt einsam auf der hohen Spitze
stumm ein alter Wandervogel
- sich sehnend nach des Sommers Hitze –
und zupft den Frost sich vom Gefieder.

Bleiern dringt das Licht durch graue
dicke Nebelschwaden – träge -
und der Vogel schärft die Klaue
an der eisig glitzernd Kante.
Probt die ersten Flügelschläge
und sein Blick der einstmals brannte
sucht müde nun das unbekannte
Ziel, das Rast und Ruh verspricht
- Lang herbeigesehnt im Geist –
und trägt doch Wildheit im Gesicht;
schaut ins neblig Ungenaue.

Die schweren Nebelschwaden steigen
langsam auf und zieh’n davon.
Und in das morgendliche Schweigen
tönt Windgebraus – noch leise.
Der Vogel spreizt die Flügel schon,
kennt er doch längst die alte Weise
Des Sturms der ihm auf seiner Reise
schon oft war einziger Gefährte.
Der ihm das Ferderkleid zerzauste
und auch an seinen Kräften zehrte
Die sich ja nun dem Ende neigen.

Wild tost der Wind, reisst eine kleine
Feder von des Vogels Schwingen
Der sich nun hebt von seinem Steine,
kraftvoll mit den Flügeln schlägt
aufs neue mit dem Sturm zu ringen
der ihn weit in die Ferne trägt.
Die Feder noch vom Sturm geprägt,
liegt geborsten nun dort oben -
Bis ein Wandrer kommt des Wegs
Sie sieht und rasch hat aufgehoben
Ein Brausen hört und denkt das seine.

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